Pasinger Stadtwappen

Als Brillantfeuerwerk hoch über Pasing

Diesen Artikel finden Sie im Pasinger Archiv Ausg. 1988

Am 1. Januar 1905 wurde das Dorf Pasing zur Stadt erhoben. Ganz Pasing feierte begeistert diesen Tag. Aber trotzdem lag ein Schatten über diesen Feierlichkeiten: Man hatte noch kein eigenes Pasinger Wappen. So setzten sich die Ratsherren in zahlreichen Sitzungen zusammen, um einen geeigneten Entwurf zu finden. Nachdem keine Einigung zustande kam, bildete man einen eigenen Ausschuss zur Problemlösung. Dieser handelte jedoch den Ratsherren zu selbständig, da er immer wieder Entwürfe zur Prüfung direkt an das Ministerium weiterleitete, ohne sie zuvor dem Kollegium zu zeigen.

Schließlich war im April 1906 zu vernehmen, dass die heraldische Kommission, bestehend aus Major Lenz, Prof. Bär, Kunstmaler Orth und Kunstmaler Fuhrmann, die Beratung beendigt habe. Es werde dem Magistrat vorgeschlagen, sich für den Hupp´schen Entwurf zu entscheiden, welcher einfach und zugleich dekorativ sei. Er zeige als Symbol der Pasinger Stadt ein gelbes Rad mit blauem Flussband auf weißem Grund. Die Kommission fuhr fort: „Der geschmackvolle Entwurf des Frhr. v. Reitzenstein kann nicht akzeptiert werden, weil er nicht gemeinverständlich ist.“

Schließlich formierten sich die Gedanken. Man einigte sich darauf, das gelbe Rad in der Wappenmitte zu ersetzen. Dieses Rad hätte die Industrialisierung in Pasing symbolisieren sollen, die jedoch bis dahin geschichtlich in Pasing noch wenig Bedeutung hatte. Man fand ein historisch wertvolleres Objekt für das Wappen. Dem Protokoll entnehmen wir: „Die auf der Klosterinsel vorhandenen Reste früherer Bauart lassen darauf schließen, dass an dieser Stelle einst ein Schloss gestanden habe und es erscheint deshalb berechtigt, dies in das Wappen mit einzubeziehen.“ Auf dem Wappenentwurf war nun statt des gelben Rades ein Schlossturm (weiß) auf einer wasserumspülten (blau) Insel (grün) zu sehen. Das Ganze hob sich vor rotem Hintergrund ab.

Jetzt waren nur noch kleine Details zu besprechen. So bemängelten die einen die rote Hintergrundfarbe, während die anderen eine weiß-blaue Fahne auf den Zinnen des Turmes vermissten. Aber der Referent des Ministeriums, das den Entwurf zu billigen hatte, konnte die Bedenken zerstreuen: „Die rote Hintergrundfarbe wurde nur gewählt, weil sich diese von der Versinnbildlichung des Motivs am besten abhebt. Die bayerische Landesfarbe muss nicht eigens durch eine Fahne gezeigt werden, sie ist ohnehin schon durch den weißen Turm und das blaue Wasser vorhanden. Durch die Anbringung einer Fahne würden die Proportionen völlig zerstört.“ Plötzlich herrschte Einigkeit und der Entwurf konnte zur Genehmigung dem Ministerium übergeben werden.

Die Monate vergingen, ohne dass eine Resonanz seitens des Ministeriums zu hören war. Karl Hromadnik erklärte in einer Ratssitzung: „Wir machen uns geradezu lächerlich. Die Sache datiert nun mehr als 13 Monate zurück und bis heute ist noch keine Antwort eingelaufen. Schließlich ist es ganz wurst, was auf dem Wappen droben ist, nur beschleunigtes Tempo wäre zu empfehlen.“ Im August 1908 schließlich wurde der Stadt Pasing in einer Mitteilung des kgl. Ministeriums des Innern mitgeteilt, dass „der Entwurf von Prof. Hupp aus Schleißheim die Genehmigung seiner kgl. Hoheit des Prinzregenten gefunden“ habe.

Der Öffentlichkeit wurde das Pasinger Wappen in besonderer Weise vorgestellt. Das Volksfest stand vor der Türe und diese Gelegenheit wollte man hierzu nutzen. Es sollte ein großartiges Feuerwerk abgebrannt werden. Der Pyrotechniker Sauer aus Augsburg hatte großes geleistet. 24 Nummern zählte das Feuerwerksprogramm, wie z. B. „Jonibe mit Wirbelstürmerbukett“, „Huldigung für Graf Zeppelin“, „Verwandlungsfontäne“, „Riesenvulkan“, „Jortunas Füllhorn“ oder "elektrischer Kaskaden-Wasserfall" mit Diamanttropffeuer". Und zum Schluss kam es dann: Das Stadtwappen von Pasing leuchtete als Feuerwerk. Es war umgeben von einem Strahlenkranz, links und rechts mit Brillantfächerpalme sowie mit drehenden und krachenden Schwärmern. 50 aufsteigende Raketen und eine großangelegte Bengalische Beleuchtung umrahmten das neue Stadtwappen, das begeistert gefeiert wurde.

Unser Pasinger Stadtwappen, entworfen vom Heraldiker (Wappenkundler) Prof. Hupp aus Schleißheim, zeigt auf rotem Untergrund einen silbernen Zinnenturm auf einer grünen, von einem silbernen Fluss umspülten Insel. Es erinnert an die würmumflossene Schlossinsel, deren Reste noch heute im Institutsgarten hinter der Hallermühle zu sehen sind. Auch wenn die Stadt Pasing inzwischen zum Stadtteil Münchens wurde, so haben wir immer noch unser eigenes Wappen. Zu sehen ist es z. B. auf dem Briefkopf des Pasinger Bezirksausschusses. Auch gibt es einen eigenen „Pasinger Wappenkrug“. Der Glaskrug, zu haben mit und ohne Zinndeckel, wurde von Herbert Lipah erstmalig auf dem Pasinger Christkindlmarkt 1986 vorgestellt umnd ist heute eine seltene Rarität.



Und dann ist das Pasinger Stadtwappen noch zu sehen am Außenbalkon des Sitzungssaales des Pasinger Rathauses. Haben Sie es schon einmal entdeckt?

Diesen Bericht finden Sie im Pasinger Archiv, Ausgabe 1988

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