Heimatgeschichte - Pasing im Schnellkurs






Kupferstich von Pasing von Michael Wening (1645-1718) mit Ansicht des alten Pasinger Schlosses, heute hier Bereich um Klosterinsel

Wir lachen oft über jene Touristen aus Amerika, die auf ihrer Europareise von einer Sehenswürdigkeit zur anderen hasten, vom Hofbräuhaus nach Neuschwanstein, auf der Rückreise schnell nach Rothenburg und dann weiter nach Rom. Sie "machen Europa in drei Tagen". Obwohl man in diesem Tempo nur wenig sehen kann, so bleibt doch ein kleiner Eindruck bestehen. Und so einen kleinen Eindruck wollen auch wir im nachfolgenden Kapitel vermitteln, wenn wir einen Blick in die Geschichte Pasings nehmen. Es soll kein wissenschaftlicher Bericht werden, sondern nur ein Schnellkurs zur Auffrischung der Kenntnisse aus unserem Heimatkundeunterricht.

Unser Heimatort war schon in vor- und frühgeschichtlicher Zeit besiedelt. Da er an der Heerstraße Salzburg Augsburg lag, wurde er früh durch römische Soldaten und Kaufleute christianisiert. Viel später, es war so um das Jahr 500 herum bei der Einwanderung der Bajuwaren, gründete der Sippenführer Paoso das Ackerbauerndorf Pasing. Der blauäugige Paoso ließ für seine Leute und sein Vieh soviel Hütten aufschlagen, wie seine Sippe Familien umfaßte. Ungünstig gewählt war der Platz nicht, gelegen an der römischen Heer und Handelsstraße, inmitten von satten Wäldern und fruchtbaren Ackerböden, gleich bei der wasserspendenden Würm. Und ganz allein war er auch nicht in dieser Gegend, denn andere Sippenführer hatten ebenfalls Ansiedlungen gegründet: Svapo (Schwabing), Kiso (Glesing), Sentilo (Sendling), Manzo (Menzing), Grevolf (Gräfelfmg) und Ubo (Aubing). An welcher Stelle des heutigen Ortsbildes jene Bajuwaren hausten, läßt sich mit Sicherheit nur an zwei Stellen rekonstruieren. So wurden bei Ausschachtarbeiten in der Kolonie 1 (Wensauerplatz) und in Bahnhofsnähe 1893 Skelette, sowie Waffen und Tonperlen in 80 cm Tiefe gefunden, die jener Zeit zugeordnet werden. Bekannter ist der Platz beim Schweizer Hof (Planegger Straße), wo Reihengräber mit Grabbeigaben wie Ton und Glasperlen gefunden wurden. Hier soll sich auch die Grabstätte des Ortsgründers Paoso befinden.

Über 1250 Jahre sind es her, daß zum ersten mal unser Ort „Pasingas" urkundlich erwähnt wurde „Pasingas", Sitz der Sippe des Bajuwaren Paoso. Arbeo, Bischof von Freising, berichtete in den „Freisinger Traditionsnotizen" im Jahre 763 von einer Schenkung zweier coloniae (Gehöfte), in der "Villa Pasingas" gelegen, an das Benediktinerkloster Scharnitz. Reginpert nahm diese Schenkung mit Einwilligung seines Bruders Irminfried und seiner Blutsverwandten Otilo und Eroso vor. Erstmals wird Pasing hier urkundlich erwähnt. Irmfrieds Sohn focht diese Schenkung später an und erhielt in einem Rechtsstreit 802 auch einen Anteil zugewiesen, auf den er schließlich in letzter Instanz wieder verzichtete.

Kaiser Heinrich Il. vermachte Pasing 1006 dem Domkapitel von Freising. 1346 wird der Ort Hofmark, das heißt eine aus der gemeinen Mark herausgenommene Grundherrschaft mit niederer, vom Landesfürsten verliehener Gerichtsbarkeit. Im Jahre 1398 hatten die Söhne Ernst und Wilhelm des Herzogs Johann im Pasinger Schloß eine Unterredung mit den Räten des Herzogs Stephan zum Ausgleich bestehender Uneinigkeiten. Die Versuche schlugen fehl und so kam es zum Bruderkrieg. Am Dienstag, dem 27. Februar 1403 wurde Pasing mit Feuerpfeilen beschossen und zur Hälfte eingeäschert. 1422, es war am Samstag vor Michaeli, ließ Ludwig der Gebadete kurz vor der Schlacht bei Alling die Dörfer Pasing, Germering, Gauting und Aubing vollständig in Flammen aufgehen. Später, im Jahre 1632 wurde Pasing von den Schweden geplündert und 1796 von den Franzosen besetzt.

Von 1423 an treten an die Stelle der Pasinger Edelgeschlechter als Schloßherren Patrizier. Von 1423 1427 sind es die Püttrich, bis 1531 Christoph v. Schwarzenberg, die Reitmoor bis 1588 und als diese wegen Übertritts zur neuen Lehre das Land verlassen mußten, Hofkammerpräsident Christoph Neuburger, in dessen Familie die Herrschaft über 100 Jahre blieb.

Die Berchem waren dann von 1766 (man zählte damals bereits 19 Bauernhöfe) bis 1792 und nach kurzer Unterbrechung bis 1815 die Herren von Pasing. Als in diesem Jahr die Lehenshoheit an die Bayerische Krone fiel, verkauften die Berchem Pasing an König Max 1., der es seinem Sohn Karl Theodor zum Geschenk machte. Dieser ließ das alte Schloß auf der Würminsel (heute Klostergarten) abbrechen und erbaute das neue Schloß am Südende des Dorfes im klassizistischen Stil an Stelle von drei Bauernhöfen (heute bekannt als Schloß Gatterburg). Der alte Kreuzgewölbekeller, auf der Insel im Garten des Instituts der Englischen Fräulein, ist das heute noch existierende, letzte Überbleibsel des alten Schlosses und somit das älteste Gebäude Pasings. Karl Theodor verkaufte das neue Schloß aber schon im Jahre 1834 an Ritter von Hilz, der es 1840 an den Augsburger Fabrikbesitzer Karl Beck veräußerte. Dieser wiederum übergab das Schloß 1864 an seinen Schwiegersohn, den Reichsgrafen Franz von Gatterburg.

Mit dem neuen Schloß kam auch eine neue Zeit für Pasing. Baron Beck war es, der am Eingang zum Würmtal an Stelle einer alten Lohmühle die Papierfabrik errichtete. 1839 fuhr bereits die erste Eisenbahn von München nach Lochhausen. Über dieses bedeutende Ereignis für unsere Stadt erzählt auch das PASINGER ARCHIV in seiner Ausgabe 1984. 1862 zogen die aus dem Kloster Schäftlarn durch die Benediktiner verdrängtenEnglischen Fräulein nach Pasing und errichteten an Stelle des Meierhofes, des Bauschneiderhofes und noch eines Anwesens ihr Institut, das 1910 sein heutiges Aussehen erhielt.

Entscheidende Veränderungen für den Ort brachten die Einführung des Vorortverkehres der Bahn (1840) und die Anlage der ersten Villenkolonie nördlich des Bahnhofes durch Architekt August Exter im Jahre 1892 (vergl. PASINGER ARCHIV Ausg. 1983). So war, nachdem sich der bäuerlich dörfliche Charakter Pasings weitgehend zum städtischen und industriellen gewandelt hatte, alles bereit, um im Jahre 1905 Pasing zur Stadt erheben zu können.

In den folgenden Jahren wurde viel gebaut. Es entstanden das Gymnasium und die Lehrerbildungsanstalt nördlich der Waldkolonie, das Knaben - Schulhaus und daneben die Kirche Maria Schutz, beim Bahnhof das neue Postgebäude und an der Schützenstraße die Ortskrankenkasse, Wohnungsgroßbauten am Marienplatz sowie an der Münchener und Landsberger Straße, die Genossenschaftsbauten nordöstlich des Bahnhofes, neben der neuen Kirche und an der äußeren Gräfstraße. Der Pasinger Architekt Josef Lang prägte den Stil der jungen Stadt. Bedingt durch die gute verkehrstechnische Anbindung durch Bahn und Straße hat auch die Industrialisierung nicht auf sich warten lassen. Stellvertretend seien hier nur die Papierfabrik, die chemische Fabrik nördlich des Bahnhofes, die Eggenfabrik, die Leistenfabrik Beme, die Kuvertfabrik oder die Färberei Arnold erwähnt. 1930 waren es mehr als 20 industrielle Großbetriebe. Als 1908 die Straßenbahnlinie nach Pasing eröffnet wurde ist die Bindung an die Hauptstadt München noch enger geworden.

Die Erhebung Pasings zur Stadt brachte auch eine Änderung des Gemeinwesens. Dieses lag bis dahin in den Händen von Wahlbürgermeistern, meist aus bäuerlichen Kreisen. Der Name der Familie Weinberger war mit wenigen Unterbrechungen im letzten Jahrhundert an dieses Amt geknüpft. Nach Einsetzung eines Berufsbürgermeisters führte Dr. Alois Wunder als Oberbürgermeister dieses Amt bis zur Eingemeindung im Jahre 1938.

Selbstverständlich hat Pasing auch ein eigenes Wappen. Im August 1908 wurde es erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Wappen der Stadt Pasing, dem der Heraldiker Hupp die künstlerische Form gegeben hat, stellt auf rotem Grund einen silbernen Zinnenturm dar, der sich auf einer grünen, von silbernem Wasser umspülten Insel erhebt. Das Motiv ist dem ursprünglichen Charakter des Edelsitzes als Wasserburg entnommen.

Einer Statistik über die Pasinger Bevölkerung aus dem Jahre 1925 entnehmen wir (in Klammern die Zahlen 2017): Einwohner männlich 5694 (36.486), Einwohner weiblich: 6396, (37.946), gesamt: 12 090, (74.432) , Zahl der Haushaltungen: 3167 (), Zahl der Wohngebäude 961 (). Am 7. Juli 1930 fuhren auf der Landsberger Straße in der Zeit von 6.00 Uhr bis 22.00 Uhr 1382 Kraftwagen, 1726 Motorräder und 2776 Radfahrer. Zu Beginn des Jahres 2017 waren in Pasing 36.744 Kraftfahrzeuge zugelassen.

Pasing wurde fast unmerklich mehr und mehr zum Subzentrum im Münchner Westen. Einen entscheidenden Beitrag leistete dazu der Bau der S Bahn anläßlich der Olympischen Spiele im Jahre 1972, sowie wesentliche bauliche Veränderungen im Zentrum. Die neuen Wohnbauten am Haidelweg im Süden Pasings und die Wohnbauplanungen auf dem Areal der Chemischen Fabrik Weyl beim Bahnhof zeigen, wie groß die Anziehungskraft Pasings als Wohnstadt inzwischen geworden ist. Wohl nicht zuletzt auch dank seiner landschaftlichen Reize, dem idyllischen Stadtpark mit seinen Warmpartien, flußabwärts die Gegend um Pipping und Blutenburg, im Westen schöne und interessante Wanderziele, z. B. der Waldrücken der Aubinger Lohe. Die Wälder östlich und westlich des Würmtales bieten beliebig ausdehnbare und abwechslungsreiche Gelegenheiten, bis nach Maria-Eich und hinüber nach Freiham zu wandern oder im Norden über Obermenzing nach Untermenzing, in den Nymphenburger Park oder zur Fasanerie.

Pasing ist nun übere 1250 Jahre jung, 400 Jahre älter als München. Vieles hat sich seither ereignet. Einen Jahreszahlenüberblick über wichtige und beachtenswerte Ereignisse in Pasing findet man in der Ausgabe 1988 der Reihe PASINGER ARCHIV. Auf einer Werbemarke aus dem Jahre 19 10 heißt es: "Kgl. Bayrische Stadt Pasing 10 000 Einwohner einzigartige Villenkolonien Bildungsanstalten ca. 200 Züge von und nach München Straßenbahn nach München alle 1/4 Std.". Auch heute noch hält die Tram in Pasing und noch immer prägen die alten Villen August Exters das Stadtbild. Und den Ruf als Schulstadt verdient es erst recht. Königlich bayrisch allerdings ist höchstens noch das Pasinger Gemüt. Inzwischen haben fast 80 000 Pasinger Einwohner die Gelegenheit mit der S-Bahn in 10 Minuten die Münchner Innenstadt zu
erreichen. Trotz Eingemeindung sind wir Pasinger in vielen Bereichen selbständig geblieben: Was kümmert uns der Münchner Marienplatz, das Rathaus, die Meldestelle, der Viktualienmarkt - all das haben wir doch selbst vor der Haustüre!




Diesen Bericht finden Sie illustriert mit vielen Abbildungen im Pasinger Archiv,
Ausgabe 1990.

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