Ehrenbürger der Stadt Pasing

Was keiner mehr werden kann:
Ehrenbürger der Stadt Pasing

Es ist sicherlich vielen unbekannt, dass Pasing auch einige Ehrenbürger besitzt. Es handelt sich hierbei um Bürger, die sich in besonderer und uneigennütziger Weise um das Wohl des Ortes verdient gemacht haben Die Vorschläge hierzu kamen von der Bevölkerung und wurden vom Gemeinde- oder dem späteren Stadtrat geprüft. Es wurden nur sehr wenige Mitbürger mit dieser Ehre ausgezeichnet und die Verdienste mussten schon sehr hoch sein. So wurde beispielsweise der Architekt August Exter, er war der Gründer der Pasinger Villenkolonien und sorgte für einen enormen Aufschwung der Gemeinde (vergl. Pasinger Archiv, Ausgabe 1983)‚ zweimal ohne Begründung als Ehrenbürger abgelehnt. Auf der anderen Seite wurde der Staatsminister Adolf Wagner im Zuge der damaligen Zeit als Pasinger Ehrenbürger ernannt, der sich jedoch um Pasing nicht in besonderer Weise verdient gemacht hat.

Franz Graf Gatterburg
Ehrenbürger im August 1887, erster Ehrenbürger Pasings, Schlossherr in der so- genannten ,,Gatterburg” an der Planegger Strasse; später waren hier das Passionistenkloster sowie eine Ausbildungsstätte für Realschullehrer untergebracht. Graf Gatterburg war eine 1eutselige Person. Erinnert sei an den ,,Grafen-Stammtisch” im Gasthaus Kress (später Hotel ,,Zur Eisenbahn” am Pasinger Bahnhofsplatz). Hin und wieder fehlte der Graf bei der fröhlichen Runde, immer dann, wenn er von seiner Pauline ,,Hausarrest” erhielt. Ältere Pasinger erinnern sich noch an die vornehme Frau Gräfin, eine Persönlichkeit in der Stadt. An der östlichsten Grenze Pasings erinnert die Gatterburgstrasse, die die Reutterstrasse mit der Willibaldstrasse verbindet, an den Grafen.

Georg Habel
Ehrenbürger im November 1887, geb. 1835, gest. 1927, erster Bahnhofsvorstand Pasings, kam 1872 nach Pasing. Damals existierte die Bahnstrecke nach Herrsching noch nicht, denn sie wurde erst 1903 in Betrieb genommen (vergl. Pasinger Archiv‚ Ausgabe 1984). Habel hatte nicht nur zusammen mit seinem Expeditor Rosenbauer den Personenverkehr, sondern auch Güterzüge abzufertigen, da der Güterbahnhof Laim erst 1891 errichtet wurde. Georg Habel konnte recht grantig sein, wie seine Eisenbahner zu erzählen wussten, aber gleichzeitig schätzten sie sein gutes Herz‚ das sich stets für sie einsetzte. Nach der Pensionierung machte sich Habel als Wanderer bekannt. Bei jedem Wetter marschierte er täglich von Pasing nach Maria Eich. Sein Sohn machte sich als Kapitän in Seemannskreisen einen Namen. An Georg Habel, der im Pasinger Friedhof ruht, erinnert eine Strasse, die die Landsberger- mit der Gräfstrasse verbindet.

Engelbert Wörnzhofer
Ehrenbürger im Oktober 1901, geb. 1824, gest. 1905, Dekan in der Pfarrkirche Maria Geburt. Enge1bert Wörnzhofer stammte aus Rottenbuch und kam im Jahre 1861 als Benefiziat von Aubing nach Pasing. Als 1881 Pasing zur Pfarrgemeinde erhoben wurde‚ ist er zum ersten Pasinger Pfarrherren ernannt worden. Er führte eine jährliche Wallfahrt nach Maria Eich ein. Enge1bert W6rnzhofer wirkte mit, dass aus dem Armenasyl ein Distriktkrankenhaus (heute Krankenhaus Pasing) errichtet werden konnte‚ um das sich die Gutshöfe Planegg und Freiham, sowie die Pasinger Papierfabrik für ihre Belegschaft bemühten. Die Mallersdorfer Schwestern wirkten am Krankenhaus 86 Jahre lang. G1eich beim Krankenhaus liegt die Engelbertstrasse, die an Engelbert Wörnzhofer erinnert, der im alten Pasinger Friedhof bei der Kirche Maria Geburt zur letzten Ruhe gebettet wurde. Da bei der Errichtung des Krankenhauses Wörnzhofers Spendenfreudigkeit wesentlich beteiligt war, wurde auch die kleine Würmbrücke beim Krankenhaus mit seinem Namen versehen. Früher, als die Brücke noch hölzern war, trug sie den Namen ,,Schafbrücke”.

Josef Wörnzhofer
Ehrenbürger im Juli 1908, geb. 1833, gest. 1913, Dekan in Pasing. Ebenso wie sein Bruder Engelbert kam Josef Wörnzhofer aus Rottenbuch, unweit der WiesKirche. Josef, der zuletzt als Pfarrer in Egenhofen bei Nannhofen wirkte, kam im Jahre 1891 nach Pasing. Seine erste Aufgabe war die Einweihung der Institutskirche der Eng1ischen Fräulein in der Institutstrasse. Er wirkte ausserdem als Institutsgeistlicher und wohnte im Institut. Hier überdachte er seine Predigten, in denen er Erlebnisse aus seiner Kindheit, seinem Dorfburschendasein und seiner Studentenzeit einstreute. Diese bunten Eindrücke wurden von den Gläubigen als lehrreiche Gedanken aufgenommen. Dekan Josef wirkte a1s sti11er Wohltäter für die Armen, griff gerne in die Saiten des Gemütes und verstand den Umgang mit Kindern, die jederzeit bei ihm gerne gesehen waren. Die Wörnzhoferstrasse ist nach ihm benannt und führt von der Josef-Retzer-Strasse zur Fouquestrasse. Seine letzte Ruhestätte fand er im altem Friedhof an der Ostseite der Kirche Maria Geburt, genau neben seinem Bruder Engelbert. Hin und wieder sieht man an seinem Grab sogar frische Blumen‚ denn manch ein Pasinger hat nicht vergessen‚ was die Wörnzhofer für den Ort ge1eistet haben.

Karl Hromadnik
Ehrenbürger im April 1917, geb. 1857, gest. 1918, Direktor der Papierfabrik. Bürgermeister Wunder überreichte zum 60. Geburtstag Karl Hromadnik die Urkunde mit der Ernennung zum Ehrenbürger. Der Kommerzienrat war ein beliebter Mann, denn dieser Geburtstag wurde mit einem grossen Fest gefeiert, an dem der Männergesangverein mit einem Ständchen aufwartete, die Turner mit Musik aufmarschierten und sich die Sanitäter, die Feuerwehr und die Vereine als Gratulanten einfanden. Kar1 Hromadnik wirkte nach der Vereinigung der Pasinger Papierfabrik, die 1843 von Carl Beck gegründet wurde, mit der München- Dachauer-Papierfabrik als Direktor. A1s Pasing zur Stadt erhoben wurde, stand Hromadnik dem Gemeindekollegium vor und hat viel für die Entwicklung der jungen Stadt geleistet. Am Rande sei erwähnt, dass er auch am Bau der Leitzach- Werke massgebend beteiligt war. Seine Verdienste sind mit der Benennung der Karl-Hromadnik-Strasse‚ die gegenüber der Papierfabrik gelegen ist und von der Planegger Strasse zum Haidelweg führt, gewürdigt.

Obwohl Karl Hromadnik in Pasing und Umgebung ein bekannter Mann war finden sich fast nirgendwo Informationen über seinen Geburtsort. Weder in hiesigen Zeitungsartikeln, Festreden zu Jubiläen oder in seiner Trauerrede ist der Ort erwähnt. Im April 2018 entdeckte Dr. Raimund Paleczek aus München im Rahmen seiner Nachforschungen den entscheidenden Hinweis im „Wochenblatt für Papierfabrikation“ (1919). Er schreibt: Karl Vinzenz Hromadnik wurde am 8. April 1857 in Wran/Vrane nad Vltavou, etwa 20 km südlich von Prag, geboren. Er entstammt einer rein tschechischen Familie. Der Vater Karl, ebenfalls im Papiergewerbe tätig, stammte aus Cernovice im Kreis Tabor in Südböhmen. Dort war dessen Vater Jan (Johann) Metzgermeister. Karl Hromadnik hat am 5. August 1882 in Waidhofen an der Ybbs (Niederösterreich) Antonia Meisinger geheiratet.

Georg Weinberger
Ehrenbürger im Februar 1931‚ geb. 1861‚ gest. 1932, Ökonomierat und Bürgermeister. Der Weinberger hatte seinen Hof dort, wo Pasing zu Ende war: an der P1anegger Strasse gegenüber dem Grässl-Bergerl. Er wurde daher auch ,,Grässlbauer” genannt. Anfang 2018 wurde der Weinbergerhof abgebrochen, um auf dem Gelände Wohnungen zu errichten. Die Weinberger waren von jeher angesehene Persönlichkeiten, die stets um das Wohl ihrer Gemeinde bemüht waren. Der Ökonomierat war langjähriger 1. Bürgermeister der Stadt Pasing. An seine Verdienste erinnert die breite Weinbergerstrasse‚ die von der Agnes-Bemnuer-Strasse zur Planegger Strasse führt.

Dr. Alois Wunder
Ehrenbürger im September 1932‚ geb. 1878, gest. 1974, Oberbürgermeister der Stadt Pasing. Wunder wurde 1914 zum ehrenamtlichen Bürgermeister der Stadt Pasing gewählt. Erst zwei Jahre zuvor war Pasing zur mittleren Stadt erhoben worden. Wunders Amtsperiode fiel in eine po1itisch bewegte Zeit. Der erste Weltkrieg drückte seinen Stempe1 auf die Ereignisse. Im Jahre 1919 wurde Wunder hauptamtlicher Bürgermeister. Revolution, Räterepublik, Inflation und Nahrungssorgen bedrückten die Bevö1kerung, aber gerade in dieser Zeit bewies Wunder Geschick und eisernen Willen. Die Stadt Pasing erwies sich ihrem Bürgermeister dankbar, als sie ihm am 9. September 1932 für sein erfolgreiches Wirken als Rechtsrat und als Bürgermeister das Ehrenbürgerrecht verlieh. Wunder erlebte in seiner Amtsperiode gerade noch den Neubau des Pasinger Rathauses, den er jedoch nicht mehr nutzen konnte. Nach 31jähriger Rathaustätigkeit musste der gebürtige Oberfranke sein Pasing an München abtreten. Mit der Eingemeindung am 1. April 1938, drei Tage nach seinem 60. Geburtstag, endete die Tätigkeit des ersten und einzigen Oberbürgermeisters von Pasing. Dr. Wunder war Träger des Ehrenringes Pasings, der goldenen Bürgermedaille und der Medaille ,,München leuchtet - den Freunden Münchens" in Gold. In jüngerer Zeit wurde bekannt, dass im Gegensatz zur bisherigen Meinung Alois Wunder im Dritten Reich Mitglied der Partei war. Im Sinne der damaligen Zeit gibt es einige Dokumente, welche seine Unterschrift tragen. Es wird immer wieder darüber diskutiert, in wie weit sich Wunder den damaligen Machthabern unterordnen musste. Im hohen Alter von 96 Jahren verstarb der Mann, nach dem die Alois-Wunder-Strasse benannt wurde‚ die von der Georg-Habel-Strasse zum Schererplatz führt.

Alois Ebenböck
Ehrenbürger im August 1934, geb. 1867, gest. 1936, Lebzelter und Wachszieher. Alois Ebenböck erbte zusammen mit seinem Bruder von seinem Vater Mathias Ebenböck, der als Lebzelter und Wachszieher Hoflieferant war, die Pasinger Wachsbleiche an der Bräuhausstrasse, die sie zunächst gemeinsam fortführten. Kurz darauf erhielten auch die Geschwister den Titel ,,Hoflieferant”. Die Eben- böcks waren eine sehr gesellige Familie, deren Haus gerne von Gästen besucht wurde. Einige Pasinger erinnern sich noch zurück an ihre Erstkommunion und den damit verbundenen Besuch bei „Mutter Ebenböck“. Die Geschwister Ebenböck ermöglichten mit dem Tausch eines ihrer Grundstücke den Bau des katholischen Pfarrhauses für die neue katholische Pfarrkirche Maria Schutz und der Knabenschu1e. 1905 über1ießen die Ebenböcks der Stadt Pasing kostenlos den Grund zum Bau der Volksschule am Schererplatz. Einen weiteren Grundstücksteil verkauften sie der Stadt zu besonders günstigen Bedingungen, um dort den Sportplatz errichten zu können. Anlässlich des 65. Geburtstages von Alois Ebenböck ehrte der Pasinger Stadt- rat die Familie, indem er die Bräuhausstrasse umbenennen ließ in „Ebenböckstrasse”, die unmittelbar am Ebenböckhaus vorbeiführt. Vielleicht war dies ein Grund, warum sich die Geschwister Ebenböck dazu entsch1ossen, ihren Pasinger Besitz in Form einer Stiftung der Stadt zu vermachen. A1s Dank für die bisherigen Grundstücksschenkungen wurde Alois Ebenböck 1934 zum Ehrenbürger ernannt. Als Alois Ebenböck zwei Jahre später starb, wurde er zunächst im Südfriedhof beigesetzt und später nach Pasing überführt in die Familiengrabstätte an der Nordmauer des Pasinger Friedhofes. Das „Ebenböckschlösschen“ ist heute im Besitz der Stadt München. Sie verwaltet das Ebenböckhaus im Sinne der Verpflichtungen aus dem Testament. Das Pasinger Archiv e.V. erfüllt diese Verpflichtungen und hat durch die Unterstützung der Landeshauptstadt München seit 1994 sein Büro im Ebenböckhaus.

Adolf Wagner
Ehrenbürger im November 1937, Staatsminister, hatte Ehrenbürgerrecht nur den damaligen politischen Gegebenheiten zu verdanken und keine Verdienste um Pasing erworben. Sein Name ist seit Kriegsende negativ belastet.

Ehrenbürger der Stadt Pasing kann heute freilich niemand mehr werden. Mit der
Eingemeindung der Stadt Pasing nach München im Jahre 1938 wurde die se1bstständige Stadt zum Stadtteil von München. Pasinger Bürger können somit nur noch Ehrenbürger der Stadt München werden.